Silke: Seminar mit Mike Martello


Mike’s Seminar am Samstag

Wenn am Samstagnachmittag jemand zufällig in die Trainingshalle geguckt hätte – er hätte nie im Leben erraten, was wir gerade machen. Polka? Irische Folklore? Irgendeine Art von Sonnenanbeter-Tanz? Jupp, so in etwa muss es für einen unbedarften Betrachter wohl ausgesehen haben – aber es war Kung Fu. Genau genommen Bagua.
Das Seminar, unterrichtet von Mike Martello, begann mit eineinhalb Stunden Aufwärmen, das es in sich hatte. Power-Stretching bis die Bänder rauchten, dazu Mike’s Aussage: „Don’t try to cheat your own body!“ – tja, wenn’s aber doch manchmal angenehmer wäre? Pustekuchen, wer es nicht richtig machte, bekam postwendend ein „That is wrong! I am very specific in how I want it to be done, and you are not doing it right!“ zu hören. Also zähneknirschend doch noch ein paar Zentimeter tiefer, doch noch das Knie weiter nach vorne, irgendwie ging es dann ja auch…!
Nach der ersten Pause kamen einige Grundtechniken dran. Wahrscheinlich dachten alle im Raum im ersten Augenblick: „Ach, wie schön, das ist ja nicht so schwer!“. Merke: ALLES wird schwierig, wenn man es lange Zeit wieder und wieder und wieder tut. Nach den Krämpfen im Fuß beim vorangegangenen Dehnen jetzt Krämpfe in der Hand – aber dafür die Befriedigung, von Mike ein „not bad!“ oder sogar ein „good!“ zu hören.
Und schließlich das, was von außen nach Folklore ausgesehen haben muss: Zuerst im großen Kreis herum, eine Hand zur Mitte ausgestreckte und volle Konzentration auf die Fingerspitzen. Nicht einfach „Gehen wie zum Supermarkt“, sondern „Gehen mit Intention“. „Relax your shoulders!“, „Bend your knees!“, „Don’t cause a traffic jam!“ – das nur als Erinnerung für alle jene, die am Samstag gelernt haben, dass das Schwindelgefühl irgendwann aufhört, wenn man sich nur lange genug dreht und dreht und dreht und dreht… Im Anschluss eine abgewandelte Form als Partnerübung: Immer im Kreis, die Hand Richtung „drittes Auge auf der Stirn“ ausgestreckt, die Knie soweit gebeugt, dass es gerade noch so nicht lächerlich aussah. Und irgendwie war plötzlich wieder eine Stunde rum, in der wir alle nur umeinander und miteinander gekreist waren, aber langweilig war es kein bisschen. Auch, als es nach der Pause noch mal im großen Kreis genauso weiterging – eine Hand zur Mitte, die andere Richtung Boden, Körper aufrecht, Knie gebeugt, und volle Aufmerksamkeit – hatte man nicht das Gefühl, etwas Überflüssiges zu tun. Ganz in Gegenteil, es war eine richtige Bereicherung. Gerade am Ende, wenn auch bei einem tollen Seminar allmählich die Konzentration nachlässt, tut es gut, sich in eine Übung fallen lassen zu können, noch ein bisschen herumzuprobieren, vielleicht sogar mit den Gedanken zu spielen, die man dabei denkt, um plötzlich zu bemerken, welchen enormen Einfluss das Gedachte auf die eigene Körperhaltung hat. Es ist nützlich, sich daran zu erinnern, wie wichtig die innere Einstellung doch ist – gerade im Kung Fu.
Nach einem wirklich tollen und lohnenswerten Seminar saßen wir alle noch gemeinsam im Garten beim Grillen, was eine richtig schöne Art und Weise war, den Tag ausklingen zu lassen. Bei Baguette, Wein, Würstchen und Fleisch kreiste dieses Mal nur die Unterhaltung, und zwar um alles Mögliche. Viel besser hätte es eigentlich nicht sein können.
Und so bleibt nur noch am Schluss zu sagen:
Danke, Dennis, dass du alles für’s Grillen besorgt hast. Danke, Sifu, dass du das Seminar für uns organisiert hast. Und vielen, vielen Dank, Mike, für das wunderbare, interessante und lehrreiche Training!

Hier das Album mit den Fotos: Facebook Fotos