Aktiv üben, passiv üben

Mir ist heute beim Training etwas aufgefallen. Es ist nichts Neues oder Geheimnisvolles, aber ihr wisst ja: Wissen und Verstehen sind zwei grundverschiedenen Dinge.

Heute war der letzte Mittwoch im Monat und das bedeutet: Ausgiebiges Partnertraining. An diesem Tag üben wir Struktur aufzubauen und zu benutzen, „voll“ und „leer“ zu werden und andere verschiedene Techniken. Das Besondere dabei ist immer der Blick nach Innen – alles was wir über innere Kampfkünste lernen, können hier sozusagen praktisch anwenden und üben.

Es gibt Übungen, die für beide Partner gleichwertig sind, das heißt beide Partner führen gleichzeitig die Übung durch. Es gibt aber solche, bei denen der eine Partner eine passive Rolle übernimmt und zum Beispiel stabil steht und eine Pratze an den Bauch hält. Der andere übernimmt die aktive Rolle und übt beispielsweise einen Schlag korrekt und effektiv auszuführen.

Worauf sich der aktive Partner konzentrieren soll und was er zu beachten hat, das hat Laoshi vor der Übung deutlich erklärt und vorgeführt. Dann versucht man nach bestem Wissen und Gewissen diese Übung auszuführen. Dass das nicht einfach ist versteht sich von selbst 😉

Was aber tut der passive? Er steht stabil. Naja, zumindest so gut er kann. Was noch? Er hält die Pratze an seinen Körper, die er auf keinen Fall dem Schlag entgegen strecken soll! OK, muss man wissen, ist aber auch nicht schwer und lässt sich aushalten. Tja, und genau das habe ich früher auch gemacht: Ich habe diesen Part ausgehalten, habe versucht nicht umzukippen und freute mich auf den aktiven Part. Doch heute war es anders. Ich wollte diesen Part nicht einfach ausharren, sondern nutzen. Aktiv!

Nein, ich habe nicht zurückgeschlagen. Aber ich habe die Übung genau so gemacht, wie jede andere Partnerübung: Ich versuchte zu fühlen. Ich versuchte meine Haltung und Struktur zu üben. Und wenn der Schlag kam, versuchte ich zu spüren, wohin er ging. Wo war mein Zentrum? Wohin drückte mich der Schlag? Wohin floss die Energie? War überhaupt Energie im Schlag oder war er leer und klatschte nur auf die Oberfläche. So viele Eindrücke, so Vieles, dass man dabei lernt!

Sogar bei der abschließenden Entspannungsübung, bei der ein Partner dem anderen den Nacken mit rhythmischen Schlägen mit der Handkante massierte, versuchte ich mich zu entspannen, in meine Struktur zu sinken und tatsächlich spürte ich diese winzigen Schläge bis in die Füße vordringen.

Mit dieser Erfahrung freue ich mich schon auf’s nächste Training 🙂

Zài jiàn!