Jahresabschluss- und Weihnachtsfeier 2011 – von Nicole Laurenz

Die ursprüngliche Ankündigung lud zu einer gemütlichen Jahresabschluss- und Weihnachtsfeier am 3. Dezember zu Bailung ein. Doch für mindestens drei Teilnehmer bedeutete dieser Tag noch viel mehr. Obwohl zuvor der Eindruck entstanden sein konnte, dass den vor dem Fest durchgeführten Schwarzgurtprüfungen nur eine periphere Bedeutung zukommen sollte, nahmen sie nicht nur zeitlich gesehen viel Platz ein. Sie waren schon Monate zuvor ein immer wieder aufkommendes Thema im Verein und die Feier selbst schien mindestens genauso sehr eine Party zu Ehren der neuen Schwarzgurte und der Prüfer zu sein wie eine Weihnachtsfeier. 

Für die drei Kandidaten Marvin Leck, Nassem Raufi und Florian Stoverink begann ihr Prüfungstag um 7.45 mit einem gemeinsamen Tee in den Vereinsräumen, der es allerdings nur bedingt schaffte, sie zu beruhigen. Besonders gegenseitig noch kurzfristig gestellte Theoriefragen sorgten für noch mehr Aufregung bei den ohnehin schon nervösen Prüflingen. Nicht nur Fragen nach Namen für Techniken und Übungen waren Auslöser hierfür, sondern nicht zuletzt auch die Tatsache, dass sich niemand mit seiner chinesischen Aussprache, besonders vor Zhang Laoshi, blamieren wollte. Nach dem kleinen Frühstück wärmten sich alle auf und warteten ungeduldig auf die drei Prüfer: ihren Lehrer Jochen Wolfgramm, Zhang Laoshi und Kim Haukland.
Um kurz nach 9, nachdem sich alle begrüßt hatten, begann die Prüfung mit TaiJi, was seine eigentliche Intention, die Nerven der Prüflinge zu beruhigen, leider in weiten Teilen verfehlte. Es folgten typische Aufwärmübungen aus dem Tong Bei. Im Anschluss wurden die 12 Mantisbahnen sowohl einzeln als auch als Partnerbahnen gezeigt. Darauf folgte die Demonstration verschiedener Waffen- und Handformen, deren Vielzahl und Ausführung Kim Haukland und Zhang Laoshi sehr zu beeindrucken schien. Weniger zufrieden schien zwischendurch der Lehrer der drei, der so manche Form wiederholen ließ und damit sowie mit vielen Korrekturen während der Prüfung dafür sorgte, dass diese den ganzen Tag über spannend und ihr Ergebnis offen blieb. Es folgte ein kurzer Theorieteil, bei dem u.a. Namen der Techniken, Erste Hilfe und Rechtsangelegenheiten abgefragt wurden sowie die Prüflinge aufgefordert wurden, einen selbst verfassten Text über ihre Sicht auf das Kung Fu vorzutragen. Danach kamen die drei, die schon vorher aufgrund der Erkältungsgefahr gebeten wurden, ihre nassen T-Shirts zu wechseln, beim Sanda noch einmal richtig ins Schwitzen. Auch wenn nach dem Kämpfen, was die ein oder andere Blessur hervorrief, viele dachten, die Prüfung sei überstanden, überraschte Jochen Wolfgramm die erschöpften Kandidaten mit der Aufforderung, noch einmal die Übungen durchzuführen, mit der sie in den Tong-Bei-Teil der Prüfung gestartet waren. Diesmal schien es aber vielmehr darum zu gehen, das Durchhaltevermögen der Beteiligten zu testen, indem man sie u.a. Rou Jian und Shun Bei 600 mal machen ließ, was so manchen schmerzerfüllten Gesichtsausdruck bei ihnen hervorrief. 
Nach einer kurzen Pause kam Jochen Wolfgramm, nachdem er sich mit den beiden anderen Prüfern beraten hatte, mit einer Tüte in den Raum zurück, aus der –wohl nicht ganz unabsichtlich- eine braune Schärpe herausschaute, denn wer diese sah, ging selbstverständlich davon aus, dass Marvin Leck die angekündigte Prüfung zum Braungurt bestanden hatte. Tatsächlich aber riss Jochen Wolfgramm vor dessen Augen die Urkunde durch, was alle in einen leichten Schockzustand versetzte. Erst nachdem den anderen beiden ihre verdienten Urkunden sowie die dazugehörigen schwarzen Schärpen überreicht wurden, löste sich bei Marvin Leck der enttäuscht-schockierte Gesichtsausdruck auf und ging über in einen freudig schockierten, denn auch er hatte den Tag über soweit überzeugt, dass die Prüfer auch ihm einen Schwarzgurt gaben. 
In seinem kurzen Abschlusswort offenbarte Jochen Wolfgramm, dass er trotz der vielen Kritik und des wenigen Lobs, das er den Tag über von sich gab, stolz auf seine Schüler ist und betonte dabei noch einmal die Härte der überstandenen Prüfung. Die drei völlig erschöpften Prüflinge reagierten bescheiden, auch wenn man ihnen ihre Freude und die Tatsache, dass nun die Anspannung von ihnen fiel, ansah. Mit einem kleinen Geschenk bedankten sie sich bei ihrem Shifu.
Im Anschluss an die gegen 16 Uhr beendete Prüfung startete die eigentlich für 18 Uhr angekündigte Weihnachts- und Abschlussfeier. Die Organisatoren Peer Hasemeyer und Kai-Ole Eberhardt, die schon tagsüber dafür sorgten, dass Prüflinge, Prüfer und Zuschauer gut versorgt waren, hatten alle Teilnehmer gebeten, etwas für das Buffet mitzubringen, was dafür sorgte, dass eine sehr große Auswahl an Speisen und Getränken aufgetischt werden konnte. Auch die –wenn auch etwas improvisierte Weihnachtsdekoration- sorgte für ein gemütlichen Ambiente, in dem sich die vielen Gäste wohlfühlen konnten. Auch wenn viele Teilnehmer schon früh müde waren (besonders die Prüflinge ;-)) war es doch ein sehr geselliges Fest und eine netter Abschluss des Jahres und des Aufenthalts von Zhang Laoshi, der am nächsten Tag Osnabrück verließ.
Nicole Laurenz