Janine, Samstag 23.02.2008

Nach dem „A-Tritt“ von Sifu (ich war der Ansicht, das hier außer Dennis keiner mehr reinguckt) jetzt mein Eindruck unserer Reise zum Seminar nach Kassel:

Nassems Trainingsort kennen zu lernen war spannend. Immerhin kenne ich Nassem nur von Seminaren, wenn er mal zu uns gekommen war. Auf einem Turnier hatte ich später ein paar seiner Schüler kennen gelernt. Interessant also nun Gast bei Nassem zu sein.

Die Fahrt nach Hessen war turbulent und wie immer nicht ganz einfach. Gleich zu Beginn hatten wir vergessen das Gastgeschenk einzupacken und mussten spaßige 30 Minuten Spazierfahrt in Kauf nehmen. Anschließend mangelte es an Absprachen und Orientierungssinn. Ich als Beifahrer hab mich scheckig gelacht – hätte ich fahren müssen, wäre ich verzweifelt!! Erstaunlich dass wir nach mehreren Wendemanövern dann doch nach nur 3 Stunden in Kassel ankamen.

Aber wir waren nicht mal die letzten! Nach dem Umziehen und dem ersten Begutachten der Halle fehlten noch Leute aus Kassel, die dann am Ende des Aufwärmtrainings eintrudelten. Schließlich waren wir eine kleine Gruppe aus 2 Judokas, 1 fortgeschrittener Tai Chi-Lehrer, 1 Kampfsport unerfahrener und 2 Schülern von Nassem plus Bai Lung-Leute. Insegsamt glaub ich 13.

Ziel des Seminares war es die Grundprinzipien und -Übungen, also die Basis des Kungfu aufzuzeigen und zu üben. Folglich haben wir die Übungen aus dem normalen Training intensiviert, ohne auf bestimmte Techniken oder Stellungen aus dem Tang Lang einzugehen. Sifu hat dabei natürlich viel Wert auf die Mobilisierung des Beckens gelegt. Gerade die Judo-Leute waren beim Aufwärmtraining schon ziemlich am kämpfen, weil diese Bewegungen für sie vollends neu zu sein schienen.

Anschließend stellte Sifu einige Dinge aus den Bereichen Shuai jiao und Da (Fausttechniken) dar. Später noch die bekannten Hebel aus dem Qinna.
Wir Bai Lung-Schüler dienten während des Seminars vorwiegend als Partner für Übungen. Florian hat mit Nicole die Partner-Langstockform gelernt, Dennis mit Nassem zum Teil Formen wiederholt, ansonsten sind wir mit dem Rest der Teilnehmer bei einfachen Übungen geblieben. Speziell für mich waren die Hebel aus dem Qinna wieder interessant, wenn auch nicht neu, weil sie viel Übung brauchen. Mein Partner war ein „erfahrener“ Judoka. Es war erschreckend für mich zu sehen, wie engstirnig man im Kampfsport „überleben“ kann. Er war so von sich und seinen fest gefahrenen Prinzipien überzeugt und hat sich damit selbst blockiert zu verstehen, wozu die Übungen dienen. Am Ende hat er selbst zugegeben, KungFu sei zu anspruchsvoll für ihn.

Nach einem Partnerwechsel hatte ich das Vergnügen mit dem erfahrenen Tai Chi-Lehrer zu üben und war begeistert! Es ging um eine Übung, wo man Kontakt aufnimmt und den Gegner mit leichten Mitteln aus dem Gleichgewicht bringt bzw. ihn in einen Hebel lenkt. Oh graus war mein Gefühl für die Kontaktführung schlecht! Das letzte Mal Push Hands hab ich glaub ich vor einem Jahr in der Klosterwoche gemacht. Himmel! Aber Armin hat vieles gut erklärt und war mit viel Geduld dabei, auch wenn er von dem Training mit mir wegen meiner geringen Erfahrung sicher nicht so viel hatte.

Den Abschluss haben Übungen aus dem Yi Quan und Qi Gong gemacht. Besondere Aufmerksamkeit lag hier in der Atmung in den Bauch bzw. Rücken. Einige Übungen sind mir wieder in Erinnerung gekommen aus der Zeit in Peking. Ich darf gar nicht daran denken, wie viel ich vergessen habe. So gesehen war ich wirklich froh, diese Übungen noch mal zu machen. Nicht zuletzt, weil auch diese Übungen eine Menge Übung brauchen. Meine Müdigkeit am frühen Abend behinderte allerdings meine Konzentration, so dass kaum eine Entspannung vorhanden war. Trotzdem konnte ich mein Defizit der inneren Energiemobilisierung nur allzu deutlich spüren. Hätte ich doch nur mehr Tai Chi gemacht! Tja hinter her ist man immer schlauer.

Danach natürlich das obligatorische Gruppenfoto und zum Schluss haben wir es uns im chinesischen Restaurant gut gehen lassen. Aus meiner Sicht war es ein netter Ausflug mit einem schönen intensiven Training. Herzlichen Dank für deine Gastfreundschaft, Nassem!

Übrigens: auf dem Rückweg haben wir nur 2 Stunden gebraucht, obwohl Unsicherheit vorhanden war. hi hi. Na ja, die meiste Zeit hab ich ohnehin gepennt, da hätte Thomas noch Stundenlang durch Deutschland fahren können.