Ole Korff: Seminar in Berlin mit Zhang Laoshi

Seit dem Sommercamp in Berlin ist jetzt schon mehr als ein Jahr vergangen und es sah fast so aus als würde dieses Jahr verstreichen ohne eine Gelegenheit mit Zhang Laoshi zu trainieren. In den letzten zwei Wochen ergab sie sich dann aber doch noch:

Katharina, Michael, Oleg und ich machten uns auf den Weg nach Berlin für zwei Wochenenden Tong Bei. Vormittags Grundlagen und Anwendungen, nachmittags galt es eine lange Kurzstockform zu lernen, die Qi Li Bang. Jochen hatte uns am Freitag vor dem Seminar zum Glück noch die Grundtechniken des Bang gezeigt, Wissen und Körpergefühl für das wir am nächsten Tag sehr dankbar waren.

Die Form ergänzt hervorragend das waffenlose Tongbei-Training: Viele Techniken haben direkt Ähnlichkeit mit bestimmten Handtechniken, vor allem nutzen aber alle die gleichen Tongbei Bewegungsprinzipien. Das zeigte mir auch mein Muskelkater am Ende des ersten Wochenendes: Beine, Bauchmuskulatur und Arme waren unproblematisch, aber der gesamte Rücken, von Hüftmuskulatur bis Schultern schmerzte.

An den Vormittagen gab Zhang Laoshi viele gute Hinweise und Korrekturen zu den Grundtechniken und zeigte bekannte und neue Anwendungen. Dabei konnten wir wieder einmal die Vielfalt des Tongbei-Trainings erleben. Hebel, Würfe, Schläge und Tritte: Eigentlich lassen sich die Bewegungsprinzipien aus dem Tongbei auf alles anwenden. Bei den gezeigten Techniken legte Zhang Laoshi den Fokus auf die verschiedenen Arten des Öffnen und Schließens: Auf die Arbeit der Hüfte sowohl in der transversalen als auch in der Frontalebene (drehen und kippen), aber vor allem auch auf den Oberkörper. Pi öffnet und schließt auf der Frontalebene, Quan Shou und Yao Shan auf der Transversalebene, und nicht vernachlässigt wird die Sagittalebene, mit einer Technik, deren chinesischen Namen ich nicht kenne.

Zhang Laoshi hat sie im Sommercamp mit dem Bild: „Ein Auto an einem Seil über den eigenen Kopf werfen“ beschrieben. Eine Seite des Körpers wird kurz, eine lang, der Oberkörper biegt sich zur Seite.

Genau diese Mechaniken fanden sich an vielen Stellen in der Form wieder, was zu viel Komplexität führt. Trotzdem kamen wir in den ersten zwei Tagen gut vorwärts, und lernten fast die Hälfte der Form. Unter der Woche trafen wir uns dann vor den Trainings, um gemeinsam zu wiederholen, Fehler zu korrigieren und uns über die individuell erhaltenen Korrekturen auszutauschen. Hier stand schon fest: Diese Form gut zu laufen wird lange dauern. Sicherlich länger als das halbe Jahr, in dem Zhang Laoshi sie nach eigenen Angaben gelernt hat.

Am nächsten Wochenende kam der Rest der Form dazu, schon deutlich runder weil der Grundstein schon am letzten Wochenende gelegt war. Die Zeit war gut eingeteilt, nichts wirkte gehetzt und wir hatten am Ende noch ordentlich Zeit um die Form als Ganzes zu trainieren. An den Vormittagen wendeten wir die die schon in den vorherigen Wochen gelernten Mechaniken auf Würfe und Hebel an. Außerdem bekamen wir einen Eindruck in Tong Bei-Beinarbeit, von Kraftgeneration zu Konditionierung für Feger und Würfe, und sogar zur Trittabwehr mit den Beinen.

In nur vier Tagen haben wir so einen überraschend tiefen Einblick in die Anwendung des Tongbei-Trainings auf verschiedenste Aspekte des Kämpfens bekommen.

Auch wenn der Fokus der beiden Wochenenden natürlich auf dem Training lag, war es doch nett die Berliner und Externen wiederzusehen, die man teilweise schon von Camps oder anderen Veranstaltungen her kennt, und einige neue Bekanntschaften zu machen. Dennis und Flo haben sich alle Mühe gegeben, unseren Aufenthalt nett zu gestalten und auch im Training viel Hilfestellung geleistet. Auch hier noch einmal viele Dank dafür!

 

Auch wenn die vielen Bahnfahrten anstrengend waren, hat es sich doch gelohnt: Wir haben alle viel gelernt, und jetzt ordentlich zu verdauen, bis Zhang Laoshi im nächsten Jahr hoffentlich wieder nach Deutschland kommt.