Sifu, Samstag 24.05.2008

Heute möchte ich ganz gerne über einen Schüler aus dem Taiji Quan Unterricht sprechen, der nun schon seit ein paar Jahren bei mir ist um Taiji zu lernen.
Das besondere, warum ich hier von ihm erzählen möchte, ist, dass er an einer neurologischen Erkrankung leidet: der Friedreichschen Ataxie. Bei dieser Erkrankung sind am auffälligsten die koordinativen Störungen des Bewegungsablaufes. Durch eine verminderte Tiefen- und Oberflächensensibilität kommt es zu Unsicherheiten beim Gang und oft auch schon im Stand. Oft bricht die Krankheit weit vor dem 25ten Lebensjahr auf und hat einen schnellen Verlauf. Auf einem Bein zu stehen z.B. ist dann oft den Erkrankten nach relativ kurzer Zeit nach der Diagnosestellung fast unmöglich.
Der Schüler, ich verzichte auf die Nennung seines Namens, kam zu mir, bevor er selber von der Erkrankung wusste. Er stellte bei sich eine Unsicherheit im Gleichgewicht und eine generelle Verkrampftheit (stark erhöhter Muskel-Tonus) fest und hoffte dieses mit Taiji verbessern zu können. Nach ein paar Wochen des Trainings, in dieser Zeit machte ich mir schon Gedanken, was der Hintergrund der Unsicherheiten bei diesem neuen Schüler sein könnten, kam es zu einer Pause im Training des Schülers. Als er das Training wieder aufnahm, bat ich ihn um ein Gespräch. Es ergab sich, dass der Schüler selber erst in der zurückliegenden Pause von seiner Diagnose erfahren hatte. Was nun?
Ich ermutigte ihn, Taiji weiter zu machen und dies in einem Rahmen, der ihm selber als komfortabel erscheinen müsse. Stress wäre nur kontraproduktiv. Zum Glück für ihn, gab es die relativ kleine (von der Teilnehmerzahl) Morgengruppe, in der einige auch über die Krankheit informiert waren. Das hat weiterhin zur Entlastung und Druckabbau beigetragen.
Da ich ebenfalls Physiotherapeut bin, kam der Schüler bald dann auch 2mal die Woche zu mir in Behandlung und wir hatten Gelegenheit neben ein paar weiteren Physiotherapeutischen Übungen und Behandlungstechniken auch das Taiji und QiGong zu vertiefen.
In dieser Zeit, ca 1 Jahr, konnte der Schüler die 24er Yang Form erlernen, einige Qi Gong Übungen und sogar noch eine kurze lineare Form aus dem BaGua! Er übte regelmäßig und konzentriert, sowohl zu Hause als auch im Training. Seine Fortschritte waren insofern bemerkenswert, als dass einige Ärzte und „Fachleute“ ihn zu diesem Zeitpunkt schon ein Leben im Rollstuhl vorausgesagt hatten. Bei einigen ärztlichen Untersuchungen, konnte er die Doktoren mit einem Einbeinstand aus dem Konzept bringen, da die Norm lediglich wenige Sekunden schafften und er über eine Minute. Nach den gut zwei Jahren Training nun, kann er seine Rückschläge in der Qualität der Ausführung des Taiji (aufgrund der Krankheit) relativ entspannt akzeptieren und freut sich umso mehr über die Verbesserungen und kleinen Erfolge.

Ich persönlich bin froh, das wir zusammen diesen gemeinsamen Schritt getan haben, und trotz Erkrankung die Ausbildung im Taiji angegangen sind. Ich denke es hat uns beide eine Menge gebracht und wir haben viel über Taiji und seine Möglichkeiten, den Menschen und seinen Körper erfahren können. Der Schüler ist nach wie vor engagiert beim Training (2mal die Woche) und hat seine Krankheit an einer Verschlechterung hindern können. Die Möglichkeit, dass es zudem nun eine Medikamentation geben kann, läßt ihn ebenfalls voll Motivation in die Zukunft blicken. Dies, zwar noch in der Studienphase befindliche Medikament hat noch zusätzlich eine positive Entwicklung verstärkt.

Ich möchte insofern allen Menschen mit Problemen im Gesundheitlichen Bereich einfach Mut machen und ihnen den Tipp geben, ebenfalls aktiv gegen ihre Erkrankung zu arbeiten!
Taiji Quan und QiGong ist zB eine gute Möglichkeit Lebensqualität zu steigern!
Allen gesunden Menschen mit Motivationsproblemen sei gesagt: schaut Euch solche Menschen an, die wirklich hart arbeiten müssen und es tun. Und überlegt nochmal, warum euch die Motivation tatsächlich fehlt!
Um etwas zu bewirken, muss man etwas tun!