Gurtprüfung der Fortgeschrittenen – von Marvin Leck

Vergangenes Wochenende hatte ich das Glück und konnte bei der Prüfung von Silke, Peer und Kai zum Blau- bzw. Braungurt dabei sein. Besonders die Perspektive war für mich neu, denn mein Sifu Jochen Wolfgramm, der die Prüfung abnahm, gab mir die Gelegenheit ihm zu assistieren.
Den Prüflingen, die sich schon seit Wochen intensiv auf diesen Tag vorbereitet hatten, war schon eine Portion Aufregung anzumerken, als es um 13 Uhr ernst wurde. Dies verwundert kaum, schließlich ging es nun darum, alle bis dahin erlernten Techniken, Formen und auch theoretisches Wissen dem fortgeschrittenen Niveau entsprechend zu präsentieren.
Den Beginn der Prüfung bildeten verschiedene Grundübungen aus dem Tongbei und Babu Tanglang. Weiterhin zeigten Silke, Peer und Kai die für das Babu Tanglang typischen Stellungen und Schrittarbeit. Sifu Jochen Wolfgramm legte gerade bei den Jiben Gong – Übungen besonderen Wert auf eine korrekte Ausführung. Sie bilden das Fundament eines Kung Fu Übenden. Ohne ein solides Verständnis der Jiben Gong sei ein hohes Niveau nicht zu erreichen. Diese erste Etappe meisterten die Prüflinge nach kleinen Korrekturen, die auch mir halfen, meinen Blick für Details bei der Ausführung von Techniken zu schulen. Als nächsten Schritt konnten bei den 12 Mantisbahnen die Kombination von Techniken, aber auch die schon in den Jiben Gong Übungen zentralen Aspekte der Kraftgenerierung unter Beweis gestellt werden.
Im nächsten Teil der Prüfung ging es nun darum, die bisher erlernten Hand-, Waffen- und Partnerformen zu zeigen. Auch zur jeweiligen Waffe musste zuerst die passenden Grundtechniken demonstriert werden, um das Verständnis für die Waffe zu veranschaulichen und die korrekte Körpermechanik zu verdeutlichen. Im Anschluss bot sich den Prüflingen eine erste kurze körperliche Pause, in der nun theoretisches Wissen über Stil, Fachvokabeln aber auch zu den Tugenden in der Kampfkunst bewiesen werden musste. Peer und Kai legten diesen Teil ihrer Braungurtprüfung ab, indem sie sich in einem Essay mit Kung Fu aus ihrer persönlichen Sicht auseinandersetzten.
Nachdem auf diese Weise die theoretischen Fähigkeiten getestet waren, ging es nun auf die Matten, um die praktische Anwendung von Kung Fu umzusetzen. Dazu traten Silke, Peer und Kai in einigen Runden Sanda gegeneinander an, zeigten verschiedene Würfe, Hebel und testeten die Möglichkeiten ihrer Kampfkunst im Freikampf ohne Handschuhe. Nach diesen Runden des Kampfes sollte nun der schweißtreibende, letzte Teil der Prüfung kommen – der Konditionsteil. Doch auch die vielen Wiederholungen ausgewählter Grundtechniken und das vielfache Laufen verschiedener Handformen konnten Silke, Peer und Kai nicht mehr von ihrem Weg abbringen. Gegen 18 Uhr, nach über 5 Stunden Prüfung, konnten Peer und Kai ihren neuen braunen und Silke ihren blauen Gürtel entgegen nehmen. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Glückwunsch und danke, dass ich als Prüfungsassistent dabei sein durfte. Nicht nur Silke, Peer und Kai haben bei dieser Prüfung eine Menge gelernt, auch für mich war es eine lehreiche Erfahrung.