Taiji auf Irrwegen – Teil 1

 

Summary
(dieser Blogeintrag)
Was ist Taiji?
Aus welchem Kontext kommt es?
Wie hat es sich entwickelt?
Was ist es heute?

(nächster Blogeintrag)
Warum dieser Artikel?
Was ist das Problem mit Taiji heute?
Skills in den CMA.
Schluss bzw Schlussfolgerung.

 

Taiji Quan, wörtlich übersetzt das „höchste am Dach – Faust“, übertragend also die effektivste Kampfkunst, ist ein Stil des Gong Fu oder klassischen Wushu aus dem antiken China. Basierend auf Stilen wie etwa dem Chang Quan (Langfaust), Shuai Jiao (chinesisch mongolisches Ringen) und dem Waffenkampf hat es sich kontinuierlich weiterentwickelt zu einem heute allgemein sehr bekannten und anerkannten „inneren“ Stil des Gong Fu.

Geschichtlicher Hintergrund

Konzipiert wurde das Taiji Quan, wie andere chinesische Kampfkünste auch, für den Kampf gegen Angreifer mit oder ohne Waffe. Dazu sind Prinzipien und Techniken für alle Distanzen des Kampfes entwickelt worden und im Fokus stand die Entwicklung von Fähigkeiten des Einzelnen, um sich zu verteidigen.

Taiji Quan Ausbildung

Unterricht von Zhang Xinbin

Eher unwahrscheinlich ist es, das Taiji Quan für das Militär entwickelt wurde, da der Kampf in Formation und auf dem Schlachtfeld in der Antike doch andere Fähigkeiten der Soldaten erforderte, als es eine Kampfkunst zu vermitteln vermag. Der Kampf in Formation ist ein völlig anderer, als in den Kampfkünsten vermittelt. Allein das Kämpfen Schulter an Schulter, läßt doch nur wenig individuelle Fähigkeiten zu. Taiji Quan würde hier als Kampfsystem in der Ausbildung zum einfachen Soldaten wenig effektiv sein, es spielten da sicher zeitliche und finanzielle Gründe eine Rolle. Taiji Quan wurde also als Kampfsystem für den einzelnen Zivilisten unterrichtet und als Ausnahme auch hin und wieder für Militärs der höheren Laufbahn. So soll z.B. Yang LuChan die kaiserliche Leibgarde ausgebildet haben.
Durch den öffentlichen Unterricht von vielen in ihrer Zeit sehr bekannten Taijilehrern wurde das Taiji Quan dann immer beliebter und verbreiteter. Es bildeten sich die fünf Familienstile (Chen, Yang, Wu, Wu/Hao und Sun) und weitere Familienstile.

Taiji Quan heute

Der Fokus des Taiji Quan liegt heute auf der Entspannung der Muskulatur und dem Einhalten von physiologischen Gesichtspunkten beim Training. Methoden die der Gesundheit sehr zuträglich sind, entwickelten das Taiji Quan immer mehr zu einem System für das Volk. Ein System das dazu prädestiniert ist, um die Lebenspflege zu unterstützen.
Sehr bald verlor das Taiji immer mehr den Bezug zu seinem ausschließlich kämpferischen Ursprung. 

Heute ist das Taiji Quan anerkannt als der Gesundheit förderlicher Ausgleichssport. Es wird von Krankenkassen als Prävention subventioniert und in Sportvereinen als Meditations- und Entspannungskurs angeboten.

Taiji Quan als moderne Kampfkunst

Die Zahl der Anhänger des Taiji Quan und auch der unterrichtenden Lehrer ist in jedem Land groß. So gibt es auch immer mehr Übungsgruppen, die den Ursprung und die Gesamtheit des Taiji Quan im Auge behalten möchten.
Diese bieten neben Methoden zur Entspannung und Gesunderhaltung auch Inhalte, welche die Fähigkeiten für den Kampf im Fokus beinhalten. Es werden sowohl Übungen für die Kraftentfaltung bzw. die Kraftentwicklung als auch Partnerübungen für die Anwendung dieser Fähigkeiten angeboten.
Dabei liegt aber in 90% der Schulen / Übungsgruppen der Fokus auf den sogenannten „Schiebenden Händen“, Tui Shou (Push Hands).

Und hier liegt aus meiner Sicht ein eklatanter Fehler. Dies näher zu betrachten, wird Aufgabe des zweiten Teil des Blogeintrages sein.