Pfingstseminar am 27/28ten Mai

Heute will ich mal einen Rückblick auf ein Seminar von der Lehrersicht aus geben.

Am 27/28 ten Mai haben wir unser Pfingstseminar in den Bailung Räumlichkeiten stattfinden lassen. Da ich alle Erfahrungsstufen für das Seminar zugelassen hatte und auch sowohl die Taiji als auch Kung Fu Gruppe gleichzeitig unterrichten wollte, war die Themenwahl etwas kniffelig.
Da Formen schon lange kein sehr großes Thema mehr bei mir im Training spielen sollen, standen also Anwendungen und Partnertechniken vermehrt auf dem Programm.

Doch beginnen sollte jeder der beiden Trainingstage mit Qi Gong. So startete der Sonntag um 10 Uhr mit Übungen um die Meridiane zu öffnen und danach mit dem ausführlichen Üben der 18 Taiji Qi Gong Übungen (Taiji Shiba Shi Qi Gong). Mit Ergänzungen zu den Ausführungen und der Wirkungsweise der Qi Gong Übungen im Allgemeinen, sollte dieser Seminarabschnitt für alle einen guten Fokus der energetischen Aspekte der Trainingstage schaffen. Abgeschlossen wurde die erste Trainingseinheit dann mit einem halbstündigen Stretching-Programm.
Voller Power und gut gestartet ging es dann erstmal in die Mittagspause. Nach einem kurzen Snack hatte sich Angie, unser Taijimitglied aus Taiwan, bereit erklärt, einen kurzen Vortrag über Meridiane und ihre Verbindung mit den Organen zu geben. Erläutert wurden auch die Besonderheiten der TCM. Ein sehr interessanter Vortrag und mit vielen Hinweisen auf unseren Trainingsalltag.
Am Nachmittag starteten wir dann erst mal mit Basics: es galt die verschiedenen Kräfte (horizontal, vertikal und diagonal fürs erste) in den Basisschlägen umzusetzen. Es wurden also mit Pratzen Fauststöße aus der Hüfte im Stand und mit Schrittarbeit geübt, ich erklärte den Einsatz des Beckens bei Kreisförmigen Techniken wie „Quan“ und es wurden verschiedene Versionen von „Pi“ geübt. Von der reinen Pratzenarbeit gingen wir dann über zu Anwendungen dieser Prinzipien. Bei Kampftechniken ist es meiner Meinung nach wichtiger, die dahinter stehenden Prinzipien verstanden zu haben, als denn zig verschiedene Technische Ausführungen zu erlernen und zu üben. Einige Hebeltechniken aus dem QinNa für Handgelenk und Arm folgten bevor wir zu den freieren Übungsteilen übergingen. Taiji PushHands und Rou Shou sind wichtige Übungswerkzeuge um die zuvor geübten Prinzipien im freien Spiel miteinander aus zu probieren. Dabei verbessern sich wichtige Dinge wie „Ting Jing“ die Fähigkeit des Hörens bzw fühlens der gegnerischen Kraft und Bewegung (oft auch schon die Absicht des Gegners), Timing sprich Zusammenspiel von Bewegungen des oberen Körpers und der Arme bei gleichzeitiger Beinarbeit wie auch Zusammenspiel der eigenen Bewegung mit der Bewegung des Gegners und schliesslich das Anwenden von „Yi“, der eigenen Absicht oder Intention bei der Ausführung von Bewegungen.
Bei allen Inhalten hatte ich schon zuvor überlegt, ob es der stark gemischten Gruppe gerecht wird. Aber nach dem ersten Tag war ich mir sicher, dass jeder wieder viel aus dem Training gezogen hat. Auch für Fortgeschrittene (und auch für mich selbst) ist das Training der Grundbegriffe und der Basics jedesmal wieder lehrreich und bringt neue Erkenntnisse über das Gong Fu oder sich selbst. So auch dieses Mal wieder.

Am Montag begann der Tag um 11 Uhr mit dem schon vom Vortag bekannten Übungen für Meridiane und anschliessendem Qi Gong und Stretching. Kurzer Break mit Nahrungsaufnahme wer denn wollte.
Am Nachmittag des zweiten Tages standen Waffen auf dem Trainingsplan: Langstock (Gun), langer Säbel (MiaoDao) und gerades Schwert (Jian). Aber auch an diesem Tag, sollte erst ein Basisprogramm von allen absolviert werden: Kraftgenerierung mit Langstock (Pole Shaking). Idee dahinter war, dass die Erfahrung notwendig ist, bestimmte Effekte mit dem langen Stock NICHT ohne richtigen Einsatz der Körpermitte erzielen zu können. Dies führt unweigerlich zum besseren Bewusstseins des eigenen DanTian und damit ein besseres Führen der verschiedensten Waffen aus der Köpermitte, aus dem Zentrum. Nach dieser Erfahrung wurde die Gruppe in drei gleich große geteilt und sofort mit den spezifischen JiBenGong der jeweiligen Waffen begonnen.
Da Seminarthema immer noch Anwendungen und Partnertechniken sein sollte, erlernte jeder Schüler nun eine Partnersequenz mit der jeweiligen Waffe: Gun gegen Gun, MiaoDao gegen MiaoDao oder eben Jian gegen Jian. Hielt ich mich bei Gun und MiaoDao an traditionelle Partnerformen und deren vereinzelten Variationen, unterrichtete ich bei Jian zuerst Anwendungen mit dem Schwert und dann einfache Übungen für „Sticky Sword“. Nach dem immer besseren Gespür für das Schwert und seine Möglichkeiten konnte die kleine Gruppe dann ganz zuletzt freies Training mit dem klebenden Schwert üben, was allen viel Spass machte.
Aber besonders am Herzen lag mir die MiaoDao Gruppe. Das beherrschen des MiaoDao ist nicht einfach und ist mit dem bloßen Erlernen einer Form nicht getan. Die Partnerform gehört meiner Meinung nach zwingend zum Verständnis der Waffe, wird hier doch erst die gnadenlose Effektivität der Waffe vollständig klar.

Beide Tage wurden von einem netten und herzlichen Miteinander (Grillen, Schwatzen und Fachsimpeln) vervollständigt. So hatte ich den Eindruck, dass sich alle sehr zufrieden auf ihre kurze oder unter Umständen sehr lange Heimreise machten.

Einen weiteren Review gibt es hier: Zhen Wu Ahlen Blog