Sifu, Freitag 17.08.2007

Training im Beijing Trainingscamp 2007

Das Training fing morgens um 6.00 Uhr mit 1,5 Stunden Qi Gong für alle an: zuerst meist 8 Brokate, Taiji oder Bagua QiGong mit Sifu Mike Martello, danach Yi Quan mit Zhang Laoshi.

Der Vormittagskurs (2,5 Stunden) wurde in Gruppen aufgeteilt: zwei Chen Style Gruppen (32er und 24er Form), eine Gruppe Yang Style (44er Wettkampfform) und eine Gruppe konnte mit Großmeister Wang Chieh aus Taiwan, der gleich 4-5 Assistenten mitgebracht hatte, üben.
Dennis und ich hatten das Glück in der Gruppe von Wang Laoshi zu sein. Dazu gleich mehr.

Am Nachmittag wurde dann für 4 Stunden in anders eingeteilten Gruppen trainiert. Hier wurde eingeteilt in: Shaolin, BaGua Cheng und Yin Style (2 Gruppen), Shuai Jiao / Sanda und Tong Bei. Wobei die letzte Stunde für Waffentraining genutzt wurde (Shaolin Kurzstock, Doppelhandsäbel aus dem Tong Bei, Taiji Fächer und Schwert).

Der Vormittagskurs bei Wang Laoshi war für mich der wichtigste: wir übten das Familienspezifische ChinNa von Großmeister Wang und versuchten soviel zu verstehen wie es nur geht. Leider war das recht schwer. Das ChinNa von Wang Laoshi ist nicht auf einfaches Hebeln und der Mechanik der Gelenke beschränkt. Vielmehr versteht es Wang Laoshi die Prinzipien aus dem Taiji Quan perfekt für sein QinNa einzusetzen. Das macht das üben mit ihm zu einer unvergesslichen aber auch schmerzhaften Erfahrung. Beispiel: soll man den Großmeister an der Schulter greifen oder stoßen, ist er schon bei der ersten Berührung fort um darauf mit einem schmerzhaften Griff an der Hand und einem unauffälligen Handgelenkshebel wiederzukehren! Dieser tut nicht nur weh, sondern läßt einen sofort jegliches Gleichgewicht verlieren – man findet sich auf dem Boden wieder!
Wang Laoshis Assistenten ( Sohn Howard vor allem und Schüler wie H.D., Tom, Kathie etc) konnten dann aber auch Basisprinzipien fürs Pushhands vermitteln. Insofern habe ich bei diesen Vormittagstrainings wirklich unglaublich viel gelernt!

Am Nachmittag bin ich mit dem Yin-Bagua Kurs angefangen. Im Prinzip sehr interessant. Wir erlernten Circle-Walking und eine kurze Faustform (sehr selten unterrichtet). Jedoch standen die Prinzipien hier nicht unbedingt auf meiner To-Do Liste fürs Camp. So bin ich mit einigen wenigen anderen für die letzten Tage in den Genuss gekommen, von Großmeister Wangs Sohn Howard unterrichtet zu werden. Es war großartig, da Howard selbst durchaus schon auf einem Niveau ist, das es in Europa einfach nicht gibt. Er zeigte und erklärte uns, was es auf sich hat mit wirklichem Rooting und totaler Entspannung. Er konnte mit kurzen Korrekturen bei jedem von uns ein perfektes Rooting anleiten und ließ uns dann auch spüren, wie man mit einfacher Entspannung den Partner ungehindert bewegt. Das waren Erfahrungen der besonderen Art, zeigten sie doch wo die Reise hingehen kann. So sagte Howard dann auch: „It´s important that you experience the Sensation! You have to look for it again and again in the future. Remember: You are the Experiment and the Experimenter!“

Abgerundet wurde für mich das Trainingsprogramm dann mit einer Schwertform die Mike Sifu unterrichtete. Obwohl ich nun schon einige Schwertformen kenne, war diese schon was besonderes, da die Schrittarbeit sehr komplex und ausgeklügelt ist.

Alles in allem war das Trainingscamp für mich ein großer Erfolg und ich bin wirklich Riesenschritte in die richtige Richtung voran gekommen. Das Camp kam bei allen Teilnehmern so gut an, dass geplant ist es wirklich in den nächsten Jahren weiterhin anzubieten. Großmeister Wang war ebenfalls so begeistert, dass er seine Anwesenheit schon zugesichert hat! Also Leute: sparen! 🙂